These Jeans are made for working!

Wie mir die Jeans hilft der Antriebslosigkeit zu entfliehen und endlich produktiv zu werden

Meine beste Freundin und ich waren uns in einer Sache immer einig: die Jogginghose ist eine der größten Erfindungen der Menschheit. Jedesmal wenn wir uns treffen (Zuhause okay? Wenn wir uns bei jemandem Zuhause treffen .. nicht in der Stadt, nicht immer jedenfalls ..) tragen wir Jogginghose. Es ist einfach gemütlich und man fühlt sich promt überall ein Stückchen mehr zuhause. Je älter ich werde und je tiefer im Semester ich angekommen bin, desto mehr lebe ich in meiner bollerigen Entspannungshose. Langsam aber sicher hat sich da ein gewisser Rhythmus eingeschlichen: sobald ich durch die Schleuse meiner Eingangstür trete, streife ich die unbequeme Kleidung ab und verwandel mich in ein menschliches Sofakissen. Bis zu einem gewissen Grad habe ich es geschafft Dinge in meiner Jogginghose zu erledigen und JA ich bin auch in Jogginghose im Supermarkt gewesen. Ich merke jedoch wie sie mich immer mehr zwingt in ihrem Territorium zu bleiben. Rausgehen? Nöö dann muss ich mir ja eine „richtige“ Hose anziehen. Einkaufen? Ach im Kühlschrank findet sich bestimmt noch was! Pakete zur Post bringen? Wieso, ich habe doch noch 25 Tage Rückgaberecht. Ich fange an alles Mögliche aufzuschieben aber damit ist jetzt Schluss!

Längst vergessene Worte

Jeans, was würden wir heute nur ohne sie tun? Dabei waren sie mal das Accessoire von Goldgräbern!

Als ich dann eines Nachmittags in meinem Lieblingsoutfit auf der Couch saß, fiel mir glatt ein Gespräch mit meiner besten Freundin wieder ein. Sie hat mir mal erzählt, dass das erste was ihre große Schwester morgens macht ist, sich eine Jeans anzuziehen. Ich staunte damals über so viel Willensstärke, immerhin wissen wir alle wie sich eine Hose im kurzfristigen Vergleich zum wohlig, warmen Bett anfühlt. Sogar wenn sie von der Arbeit kommt, würde sie sich nur mit Jeans auf die Couch setzen oder Kaffee trinken. „Wow“, dachte ich, „Sie muss ihr Leben irgendwie im Griff haben!“. Auf die Nachfrage hin, warum um alles in der Welt sie das tut, antwortete meine Freundin, dass sie sonst in eine Art Schlafi-Modus verfällt und alles, was sie eigentlich noch erledigen wollte, einfach nicht macht. Jogginghosen verleiten zur Bequemlichkeit, denn dafür sind sie ja immerhin auch gemacht. Dieses längst vergangene Gespräch öffnete mir promt die Augen: der Feind all meiner To-Do Listen ist endlich gefunden! Ich nahm mir also fest vor, der Gemütlichkeit den Kampf anzusagen, um wieder mehr zu schaffen und produktiver zu werden.

Adé Jogginghose

Bevor nun irgendwer Schnappatmung bekommt, ich habe mein geliebtes Stück natürlich nicht wirklich verbannt. Es soll nur aus meinem Alltagsleben Stück für Stück verschwinden. Immerhin mag ich es selbst nicht, an der Brötchentheke (nicht morgens, nein um 15 Uhr) in Jogginghose angestarrt zu werden. Das ist nun wirklich zu viel für mein mittelgroßes Selbstbewusstsein. Ich will mir ein Beispiel an der großen Schwester meiner Freundin nehmen und die Jogginghose erst dann anziehen, wenn es Zeit für sie ist. Sie soll als Zeichen der Entspannung dienen und nicht zu meinem OOTD werden. Dabei fällt mir auf, dass ich die Jogginghose auch schon lange nicht mehr wirklich mit Entspannung gleichsetze. Natürlich ist sie einer der Faktoren, der mich faul und träge werden lässt. Trotzdem entfallen mir die Dinge die ich zu tun habe ja nicht schlagartig. Ich sitze vielmehr in scheinbar relaxter Stimmung auf dem Sofa, gucke Netflix und gräme mich mit dem Gedanken, dass ich eigentlich sehr viel zu tun habe. Entspannung ist das aber nicht, ganz im Gegenteil. In meinem Unterbewusstsein baut sich ein derartiger Druck auf, dass ich das Gefühl habe, als könnte ich den Stapel an Aufgaben niemals bewältigen. Um die Jogginghose also wieder mit etwas Positivem verknüpfen zu können, darf sie erst dann zum Einsatz kommen, wenn es auch wirklich Zeit für sie ist. Ich habe mal gehört, dass es sich mit dem Sofa ähnlich verhält. Wer immerzu seine Aufgaben, seien es nun Hausaufgaben oder Emails etc., auf dem Sofa erledigt, für den ist das Sofa schon bald kein Ort der Ruhe mehr, sondern ein Arbeitsplatz. Das Ganze ergibt ja auch Sinn. Immerhin lege ich mich auch nicht in jeder Mittagspause auf den Schreibtisch im Büro, mit Wolldecke und Daunenkissen, um da mein Nickerchen zu machen. So wie das Sofa seinen Status als Ruheort wiedererlangen muss, muss meine Jogginghose also auch ihren Status als Entspannungskleidung zurück gewinnen.

Tag numero uno der Jogginghosen-Kampfansage

Wusstet ihr, dass diese kleinen Nieten eigentlich dazu dienten die Nähte zu verstärken, da sie bei den schweren Arbeiten zu leicht aufgingen?

Da war er nun, der erste Tag meines Jogginghosen-Kampfes. Unmittelbar nach dem Aufstehen quetschte ich mich sogleich in meine Röhrenjeans und musste schnell feststellen, dass ich mich viel lieber wieder in meine Decke gewickelt hätte. Genauso schnell vermisste ich den wattig, weichen Stoff meiner frottierten Hose. „Egal“, sagte ich mir, „es sind grade einmal fünf Minuten, du musst noch den ganzen Tag durchstehen und das schaffst du auch! Irgendwie …“. Abgesehen von dem ungemütlichen Gefühl spürte ich aber, dass ich mich auch ein wenig wacher fühlte. Mein Körper war im Aufstehen-Modus und ich fing sofort damit an das Bett zu machen. Mit Jeans reinlegen geht ja auch schlecht. Danach machte ich mich daran, in Küche und Wohnzimmer die Spuren des Vorabends zu beseitigen. Da wir nichts zum Frühstücken da hatten, machte ich mich sofort danach auf zum Bäcker. Ich fühlte mich ziemlich toll und erstaunlicherweise auch sehr erwachsen, als ich in meinen grauen Jeans aus dem Auto stieg und mit einem siegreichen Lächeln meine Bestellung beim Bäcker abgab. Heute schaute mich niemand so an, als wäre ich grade erst aus dem Bett gefallen (obwohl das der Wirklichkeit entsprochen hätte, aber das weiß ja niemand, hihi). Anschließend fuhr ich zurück nach Hause, frühstückte und wiederstand dem Drang im trauten Heim meine weiche Lieblingshose anzuziehen. Stattdessen räumte ich weiter auf, putze mir die Zähne und Co. und setze mich dann an den Schreibtisch. Eine ziemlich ungewohnte Aussicht von der weißen hochglanz Holzplatte aus. Ich weiß nicht, wie lange ich schon nicht mehr an meinem Schreibtisch gesessen hatte, aber irgendwie motivierte mich das kalte, etwas starre Gefühl meiner Jeans dazu, mich nicht mit meinem Unikram auf die Couch zu flätzen. Dann machte ich meine Uniaufgaben. Und ja, ich machte alles, was ich für die Uni hätte tun können an diesem eigenartigen Tag. Als wäre das nicht genug, legte ich meine Lernsachen danach ordentlich zusammen und plante diesen Blogpost. Ich schoss die dafür notwendigen Fotos und schrieb diesen Text hier auf. Da wären wir nun, hinter mir ein wirklich produktiver Tag und vor mir, eine produktive Zukunft mit beiden Beinen in der Jeans.

Ein neuer Tag, eine alte Hose (ich kann mir wirklich nicht jeden Tag eine neue Hose leisten, auch nicht für diese Überschrift)

Das war nun der erste Tag. Es ist ein ziemlich gutes Gefühl, so viel geschafft zu haben und das alles nur mit dem Ablegen einer Hose. Damit ich nach diesem Erfolg aber nicht aufhöre, rufe ich von mir für mich die Jeanschallenge ins Leben. Einen Monat lang striktes Jogginghosenverbot vor 19 Uhr. Ob ich das wohl durchhalte? Natürlich werde ich nicht jeden Tag eine Jeans anhaben, aber Kleider, Röcke, Stoffhosen all das zählt ja auch zu der Kleidung, die Menschen mit einem normalen Alltag so tragen. Ich werde mein Durchhaltevermögen natürlich dokumentieren und in einem Monat, also am 07.06., davon berichten wie es mir so ergangen ist. Mal sehen ob das der produktivste Monat meines Lebens wird, oder ich zurück in den Jogginghosen-Blues verfalle.

Bis dahin, Maiky

2 Kommentare zu „These Jeans are made for working!

    1. Danke für deinen Kommentar! ☺️
      Da hast du Glück, dass ist nämlich echt nervig 😄

      Dankeschön! Mal sehen ob ich das überhaupt durchhalte, aber wer weiß!

      Liebe Grüße zurück ☺️

      Gefällt 1 Person

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