Work, work, work …

Wir suchen dich! Abi, Bachelor, Master vorausgesetzt. 10 Jahre Berufserfahrung, aber bitte nicht über 25!

Ich habe Ende April meinen Bachelorabschluss gemacht. Naja, jedenfalls habe ich da meine Thesis abgegeben, um genau zu sein warte ich also noch auf mein Zeugnis. Mit Ende des Studiums kamen jedoch auch immer mehr Zweifel, was werde ich jetzt machen und wie geht es weiter? Für den kurzen Überblick: Ich habe Germanistik und Philosophie studiert und darin alles gefunden, was ich mir je von einem Studium gewüscht habe. Den Lehramtsweg habe ich zwar bestritten, kann mir aber nicht so richtig vorstellen Lehrerin zu werden. Es macht mir viel Spaß Kinder und Jugendliche zu unterrichten und für einen gewissen Zeitraum würde ich das auch machen, aber für immer? Versteht mich nicht falsch, ich hatte bei meinen bisherigen Erfahrungen mit Schülerinnen und Schülern ausschließlich tolle Erlebnisse und habe aus dem Unterrichten nur Positives mitgenommen. Ich habe aber auch erfahren, wie hart der Lehrerberuf ist und wie viel Arbeit und Liebe man dort hinein stecken muss. Wenn ich mich später vor der Tafel stehen sehen würde, würde ich auch eine gute Lehrerin sein wollen, und zwar von ganzem Herzen. Ich kann das jedoch nicht ganz gewährleisten und ich weiß, dass in solchen Fällen die Schüler am meisten leiden. Da das Schreiben meine Leidenschaft ist, hoffe ich daher eine Karriere in einem Verlag, einer Zeitschrift oder im PR bereich einschlagen zu können. In meiner „Branche“ ist es üblich nach dem Bachelor noch ein Volontariat oder den Master zu machen, ansonsten steht es mit den Jobaussichten relativ schlecht. Jedenfalls bin ich nun schon seit einiger Zeit dabei Jobangebote zu sichten und lese immer wieder das gleiche:

Anforderungen die KEIN MENSCH erfüllen kann

Die meisten Arbeitgeber verlangen ziemlich viel. Nicht nur soll man am besten gleich mit Masterabschluss im Gepäck kommen, sondern auch mit genügend Berufserfahrung, um sofort und möglichst ohne Einarbeitungsphase in den Beruf einsteigen zu können. Gehaltsvorstellungen jetzt mal ganz außen vorgelassen, denn seien wir mal ehrlich: die Meisten von uns wollen einfach nur irgendwie ins Berufsleben einsteigen, dass Gehalt ist dabei erst einmal zweitrangig. Wie aber soll man all diese Anforderungen erfüllen wenn man grade mal sein Abitur und dann ein Studium gemacht hat? Zunehmend schleicht sich das Gefühl bei mir ein, dass das Alles nicht mehr reicht. Man ist nicht Genug und all die Mühen und Anstrengungen des Studiums scheinen wertlos zu sein, wenn man nicht noch zehn andere Dinge erreicht hat. Wieso ist das so? Zu Zeiten meiner Eltern hat kaum jemand Abitur gemacht, geschweige denn studiert. Die Meisten haben einen Realschulabschluss und dann eine Ausbildung begonnen. Danach waren die Bildungs- und Berufswege sehr unterschiedlich. Inzwischen läuft es jedoch oft gleich ab. Nur noch sehr wenige verlassen nach der zehnten Klasse die Schule und entschließen sich eine Ausbildung zu machen. Das hat zwei Effekte: zum Einen, werden in vielen Handwerksberufen und ähnlichen Ausbildungen wachsend Leute gesucht. Zum Anderen machen immer mehr Schüler Abitur, was sowohl gut, als auch schlecht ist. Natürlich ist es toll, wenn junge Erwachsene nach Mehr streben und sich immer mehr Wissen aneignen wollen, um einen höheren Abschluss zu erlangen. Auf der anderen Seite wachsen mit den steigenden Zahlen an Abiturienten und Studenten auch die Anforderungen der Arbeitgeber. Denn auf die Stelle, auf die sich früher 1-2 Abiturienten und 5 Realschüler beworben haben, bewerben sich jetzt 10 Menschen mit einem Universitätsabschluss. Man kann sich vorstellen, dass die Chancen für alle Anderen dann oft nicht mehr so gut stehen und die Arbeitgeber ihre Messlatten immer höher setzen. Natürlich kann man auch da, für oder gegen argumentieren. Ich habe einfach das Gefühl, es ist immer schwieriger geworden bei einem potentiellen Job von sich selbst zu überzeugen. Besonders dann, wenn man nicht grade herausragende Dinge in seinem Leben geleistet hat. Ich habe keine freiwilligen Arbeit gemacht und auch nicht zwei Jahre in einem anderen Land gelebt. Ich habe nicht in allen Semesterferien Praktikas gemacht und auch keinen Guinness Welt Rekord aufgestellt.

Dann studiere ich halt weiter …

Ich entschied mich also den Master noch dran zu hängen. Aber auch dafür braucht man Geld, ich muss schließlich irgendwovon mein ausschweifendes Studentendasein bezahlen (Netflix und TK-Pizza bezahlen sich eben nicht von allein). Aus diesem Grund entschied ich mich, verschiedene Halbtagsjobs in Betracht zu ziehen. Natürlich habe ich auch vorher schon gearbeitet und auch im Moment habe ich einen Nebenjob. Ich räume die Regale in einem Geschäft ein. Hört sich erstmal sehr unspektakulär an, ist aber wirklich nicht das Schlechteste. Ich habe tolle Kolleginnen und Kollegen, die Arbeitszeiten lassen sich gut mit meinem Studium vereinen und auch das Gehalt ist in Ordnung. Warum ich trotzdem nach einem anderen Job suche? Naja, wie vorhin bereits festgestellt haben die Arbeitgeber Anforderungen die ich, ob es mir nun passt oder nicht, ja irgendwie erfüllen muss. Leider zählt „Ich weiß in Laden XY, wo alle möglichen Sachen stehen“, nicht grade zu den Erfahrungen, für die man Pluspunkte in seinem Lebenslauf sammelt. Daher versuche ich mein Glück bei einigen Verlägen und Agenturen und hoffe schon bald die ein oder andere positive Rückmeldung zu bekommen.

Gebt nicht auf!

Ich weiß zwar, dass all Das ziemlich demotivierend sein kann. Aber wenn ich eins zur Aufmunterung sagen kann dann, dass wir alle im selben Bot sitzen! Nach der 10 Absage kann man schonmal leicht verzweifeln und sich einen Lottoschein kaufen in der Hoffnung, einfach Millionär zu werden. Ich kenne das und ich bin mir sicher die Hälfte eurer Klassenkameraden und Kommilitonen auch. Niemand ist damit allein. Zukunftsängste können sehr schlimm werden aber man darf nicht aufgeben. Immerhin haben unsere Eltern es doch auch irgendwie geschafft? Ich bin mir sicher, dass es für jeden den richtigen Beruf gibt und er diesen auch bekommen wird. Irgendwo wartet ein einsamer Arbeitgeber darauf jemanden einstellen zu können, der genau so ist, wie man selbst. Es wird immer jemanden geben, der mehr Erfahrung, mehr Charisma oder was auch immer hat. Es wird jedoch niemals jemanden geben, der genauso ist wie Du oder wie Ich. Jeder hat seine persönlichen Stärken und Schwächen und niemand ist perfekt, auch nicht im Berufsleben. Ich denke man sollte versuchen immer mit seiner Persönlichkeit zu überzeugen und sich nicht zu sehr zu verbiegen. Authentizität ist etwas, dass viele unterschätzen. Wenn sich aber permanent jemand verstellt ist das nicht nur anstrengend für denjenigen selbst, sondern auch für alle die ihn umgeben. Also erinnert euch immer daran wer ihr seid und was ihr könnt. Wenn man sich dessen bewusst ist, klappt es auch irgendwann mit dem Job. (Diesen Satz werde ich mir vermutlich selbst noch 100 Mal durchlesen müssen damit ich mir glaube, aber aufgeben ist einfach keine Option).

Wenn alle Stricke reißen …

Wenn doch alle Stricke reißen sollten, werde ich übrigens einfach Einsiedler, im Wald oder so .. baue mir ein Baumhaus und lebe von den Pflanzen die um mich herum wachsen. Ich geh dann am besten schonmal Botanikbücher wälzen ..

 

Im Folgenden findet ihr noch eine Checkliste zum Bewerbungen schreiben. Nicht alle Punkte davon müssen zwangsläufig in einer Bewerbung vorhanden sein, aber es ist nicht schlecht, das Ein oder Andere noch einzufügen. Auch kann man sich anhand der Punkte noch ein wenig Inspiration holen, falls man mal nicht weiter weiß!

Also los gehts! (Meldet euch, falls ihr mit ins Baumhaus zieht)

Checkliste für Bewerbungen

Anschreiben:

  • Wo habe ich von dem Jobangebot erfahren?
  • Was habe ich bisher gemacht?
  • Was ist mein nächstes Ziel?
  • Wieso bewerbe ich mich für DIESEN Job?
  • Warum bin ich der/die Richtige für diesen Job?
  • Aus welchem Grund sollte das Unternehmen/ der Arbeitgeber ausgerechnet mich einstellen?
  • Welche Eigenschaften/Hobbys/Fähigkeiten qualifizieren mich für diesen Job?
  • Was hat mich an der Firma/dem Unternehmen besonders fasziniert?
  • Habe ich meine Kontaktdaten richtig geschrieben?
  • Habe ich die Kontaktdaten der Fima/des Arbeitgebers richtig und vollständig aufgeschrieben?
  • Kenne ich den Namen eines Ansprechpartners oder schreibe ich „Sehr geehrte Damen und Herren“?
  • Habe ich das richtige Datum eingefügt?
  • Habe ich daran gedacht, das Anschreiben zu Unterschreiben?
  • Habe ich alle Anlagen aufgezählt?

Lebenslauf

  • Ist mein Foto gut positioniert und hochwertig?
  • Habe ich meine Kontaktdaten vollständig und richtig aufgelistet?
  • Habe ich meinen schulischen Werdegang richtig dargestellt?
  • Habe ich meinen bisherigen beruflichen Werdegang, mitsamt Nebenjobs, richtig aufgelistet?
  • Habe ich all meine Praktikas und ähnlichen Erfahrungen aufgezählt?
  • Habe ich meinen Führerschein aufgelistet?
  • Habe ich meine EDV-Kenntnisse ausreichend beschrieben?
  • Habe ich die Sprachen die ich spreche aufgezählt und die richtige Einstufung vorgenommen?
  • Habe ich bei meinen Hobbys nicht übertrieben?

Anlagen

  • Habe ich meine Zeugnisse in richtiger Reihenfolge angefügt?
  • Habe ich meine Arbeitszeugnisse angefügt?
  • Habe ich Praktikumsbescheinigung und Bewertungen die zu meiner Bewerbung passen?
  • Habe ich ähnliche Auszeichnungen/Qualifikationen/Weiterbildungen, die für genau diesen Job relevant sein könnten?

2 Kommentare zu „Work, work, work …

  1. Ich hab Japanisch studiert und mir ging es ähnlich – ich habe lange nichts Gutes gefunden. Ich habe dann eine Weile andere Jobs gemacht – Nachtwache im Altenheim, Putzen, Zustellerin bei der Post. Nach zwei Jahren habe ich dann meinen jetzigen, gut bezahlten Job bekommen.
    Letztlich war es glaube ich gut, dass ich diese Jobs gemacht habe, wenn auch „nur fürs Geld“. Es hat meinem jetzigen Arbeitgeber gezeigt, dass ich mich nicht auf Hartz 4 ausruhe, dass ich anpacken kann, dass ich auch unangenehme Aufgaben übernehme und nicht däumchendrehend auf die perfekte Stelle warte.
    Wenn ich Leuten nach dem Studium einen Rat geben darf, dann den, sich zunächst „irgendeine“ Vollzeitstelle zu suchen. Putzen,DHL – ganz egal. Es kann einen weiter bringen, als man denkt.

    Gefällt 1 Person

    1. Hey, danke für deinen Kommentar! Wow Janpanisch ist aber auch eine Hausnummer, das ist bestimmt unfassbar schwierig, meinen Respekt! Das ist ein wirklich guter Tipp, vielen Dank! Es ist wirklich nervig so direkt nach dem Studium .. vor allem da man sich ja permanent ganz bestimmten Vorstellungen hingibt. Aber du hast vollkommen recht, man sollte erstmal mit einem Bein ins Berufsleben einsteigen, wie genau ist da erstmal nebensächlich.

      Liebe Grüße!

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s