Curly Girl Approved?

Wie viel muss ich an mir machen um „natürlich“ zu sein?

Die Cury-Girl-Methode ist in aller Munde, hier mein Senf dazu

Damit du deine natürliche Schönheit komplett nutzen kannst musst du lediglich die folgenden 4 Millionen Punkte beachten: …

Es kann ja so leicht sein „natürlich“ zu sein. Die Curly-Girl-Methode scheint dafür eine super Anleitung zu geben. Aber vielleicht fangen wir mal am Anfang an. Ich habe starke Wellen. Als richtige Locken würde ich sie nur an den allerbesten Tagen beschreiben. Oftmals ringelt sich eine Strähne wirklich doll, die Anderen sind eben gewellt. Jedenfalls bin ich, wie so Viele in letzter Zeit, im Internet auf die „Curly-Girl-Methode“ gestoßen. Angetan von den unfassbaren Vorher-Nachher-Bildern habe ich mir sogleich alles durchgelesen was ich darüber finden konnte und jegliches Tutorial auf Youtube geschaut. Der beste Ansatzpunkt für mich schien es, zunächst den Hitzeeinfluss zu reduzieren. Also kein Föhn, kein Glätteisen, kein Lockenstab. Das viel mir nicht allzu schwer, zumal ich diese Dinge sowieso nicht jeden Tag benutze (Ich bin aber auch eher so der „hejj ich bleib einfach die nächsten drei Tage zuhause im Bett – Typ“). Einzig beim Besuch des nächsten Clubs hatte ich etwas Bedenken, da ich da meine Haare gerne mit dem Glätteisen locke, aber nun gut. Als nächstes ging es darum schädliche Inhaltsstoffe aus Pflegeprodukten zu meiden. Die Produkte die als Alternativen angepriesen werden sind die „Curly-Girl“ – Produkte. Leider gibt es die in Deutschland nicht zu kaufen und man kann sie lediglich online über zum Beispiel Amazon beziehen. Klingt erstmal ganz gut, allerdings haben diese Sachen für meinen Geschmack einfach einen horrenden Preis. Daher machte ich mich auf die Suche nach Produkten, die man auch hier in der Drogerie kaufen kann. Einige gute Listen findet man dazu bereits auf Pinterest und Co. Alle Produkte angeschafft ging es jetzt an das finale Waschen. Dabei kann man die Haare ein letztes Mal mit einem sulfathaltigen Shampoo waschen, um alle verbleibenden Rückstände zu entfernen. In der Dusche selbst sollte man die Haare nicht nur mit reichlich Conditioner ausspülen, sondern sie im besten Fall auch einmal mit kaltem Wasser abduschen um ihnen einen unvergleichlichen Glanz zu verleihen. Nach dem Waschen geht es dann ans Kneten und „Ploppen“ mit Gel und Lockenbalm etc. Meine gesamte Duschroutine war bereits so lang geworden, dass ich meinen Freund an der Badezimmertür kratzen hören konnte, wenn ich nur leise genug war. Alles in Allem war ich aber extrem motiviert und wollte ja genau so tolle Ergebnisse erzielen wie ich auf den Fotos gesehen habe. Alle, bei denen die Haar-Verwandlung so wundervoll geklappt hat, merken aber immer wieder an, dass es wirklich viel Zeit braucht. Ich machte mich also darauf gefasst zu warten.. und zu warten .. und zu warten ..

Das sind die Produkte die ich mir nach dem Waschen ins Haar geschmiert habe. Nicht immer alle, aber hauptsache nicht zu wenig! (Muss ich jetzt hier eigentlich „Werbung“ hinschreiben? Naja für den Fall: Werbung!)

Hat es bei mir etwas gebracht?

Tatsächlich konnte ich bei mir nach einiger Zeit bereits eine positive Veränderung feststellen. Meine Haare waren wesentlich lockiger und glänzen wahsinnig toll! Einen positiven Effekt auf die Haare scheint die Curly-Girl-Methode also wirklich zu haben. Ob und wie es für jeden Haartyp funktioniert ist natürlich vollkommen individuell, auch wenn der Erfolg oftmals garantiert wird… Meine Haare schienen also einige Zeit wirklich von der intensiven Pflege zu profitieren. Je tiefer man in die Materie kommt, desto mehr Fremdwörter und Pflegetechniken bekommt man zu Gesicht. Ob „Rice-Warter-Rinse“, oder ein selbstgemachtes Gel aus Leinsamen, die Möglichkeiten oder auch Pflichten schienen unendlich zu sein, ich fühlte mich dabei aber leicht überfordert. Es gibt so viele verschiedene Dinge die man beachten“muss“, dass ich nach einiger Zeit unter der Dusche stand und garnicht mehr wusste, was genau ich jetzt machen soll mit dem Gestrüpp auf meinem Kopf. Ich las auf meinem Instagramfeed nur noch Sachen wie „deine Haare könnten noch besser aussehen, wenn …“, „du musst einfach nur das und das und das machen, damit …“, oder auch „in deinen Haaren steckt so viel Potential, sie könnten noch viel lockiger/schöner/toller sein“. Irgendwann fragte ich mich, warum habe ich nochmal damit angefangen? Was genau wollte ich mit dem Anwenden dieser Methode erreichen? Warum nehme ich das hier alles auf mich?

Hier habt ihr einmal den direkten Vorher-Nacher Vergleich. Man sieht schon einen deutlichen Unterschied. Trotzdessen muss man immer abwägen, ob es den Aufwand wert ist.

Back to the roots!

In der Curly-Girl-Methode sollte es ursprünglich darum gehen, seine Natürlichkeit, insbesondere die Natürlichkeit der eigenen Haarstruktur, wertzuschätzen. Es sollte darum gehen, seine Haare genau so zu mögen, wie sie von Natur aus sind. „Every pattern is beautiful“, right? Als ich dann aber mit meinen, gefühlt, zwanzig verschiedenen Produkten gut drei Stunden im Bad saß, kam mir der Gedanke, dass genau dieses Verhalten nicht wirklich etwas mit Natürlichkeit zu tun hat. Mir fehlte die Leichtigkeit, die Simplizität, mir fehlten meine Haare. Abgesehen davon, dass diese Methode die Haare wirklich sehr stark pflegt und sie gut aussehen lässt, worin besteht der Unterschied zu meiner vorherigen Umgehensweise mit meinen Haaren? Ich habe sie vorher manuell bearbeitet und das tue ich auch mit der Curly-Girl-Methode. Die Haare bleiben nicht natürlich, sondern sie werden durch viele verschiedene Produkte in eine Form gezwungen, die sie von Natur aus vielleicht garnicht wirklich hätten. Immerhin hatten unsere Omis und Uromis sicher auch keine zehn verschiedenen Gels um einen Cast zu erzeugen und die brechen wir doch auch so oft auf ihre „simple“ Lebensweise herunter. Zudem bekam ich immer mehr das Gefühl, dass es vorallem in den sozialen Netzwerken darum geht zu zeigen, wer die lockigsten Haare hat und wessen Ringel am dollsten sind. Ich wurde unsicher in Bezug auf meine Wellen. Konnte ich da überhaupt mithalten? Vielleicht waren meine Haare ja auch einfach nicht schwungvoll genug. Anstatt mich selbstbewusst mit meiner Naturmähne außeinander zu setzen zog ich meine Pflegeroutine durch und steckte mir die Haare danach in einem Dutt zusammen. Da haben sich die teuren Produkte und der viele Zeitaufwand ja wirklich gelohnt!

Curly-Girl, ja oder nein?

Äh, Werbung?

Meine ganz persönliche Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Antwort auf diese Frage genauso kompliziert ist wie das Durchforsten der Shampoo-Inhaltsstoffe. Ich habe mich schließlich mit mir selbst auf ein herzhaftes Jein geeinigt. Die Curly-Girl-Methode hat durchaus ihre Vorteile und kann mit einigen positiven Effekten auch mich überzeugen! Allerdings hat mich der Faktor mit der Natürlichkeit wirklich stark beschäftigt. Ich denke, dass es nicht wirklich viel mit Natürlichkeit zu tun hat. Daher habe ich mir die, für mich, sinnvollen Anhaltspunkte und Methoden herausgepickt und sie übernommen. Ich verzichte weiterhin die meiste Zeit auf Hitze und versuche meine Haare zu schonen wo es geht. ABER: ich klatsche mir nicht mehr tausend Sachen in die Haare und nutze verschiedene Techniken um „das Beste“ aus meinen Haaren heraus zu holen. Nach dem Duschen kämme ich sie vorsichtig mit den Fingern durch, arbeite eine Feuchtigkeitsmilch hinein und lasse sie an der Luft trocknen. Ich lasse sie einfach so, wie sie dann sind und versuche möglichst nicht in ihre natürliche Form einzugreifen. Ich fühle mich gut damit, habe in meiner Badezimmerzeit wieder an Leichtigkeit und Freude gewonnen und das Wichtigste: Ich fühle mich wohl mit meinen Haaren und auch mit mir selbst! Ich denke das ist der entscheidenste Faktor. Jeder muss selbstverständlich ganz individuell entscheiden was er für richtig, falsch und auch natürlich hält. Ich verurteile niemanden. Für wen die Curly-Girl-Methode klappt, wunderbar! Das hier ist einfach nur meine ganz persönliche Meinung. Vielleicht bin ich zu faul, vielleicht ist das hier aber auch einfach nur eine ganz andere Betrachtungsweise, mit der ich den ein oder anderen über das Thema „Natürlichkeit“ nachgrübeln lassen kann. Entscheidet selbst, eins hat mir die Curly-Girl-Methode aber auf jeden Fall gebracht: Ich habe mich viel mit meinem Verständnis von Natürlichkeit auseinandergesetzt und einen ganz neuen Blickwinkel gewonnen.

Bis dahin, Maiky

4 Kommentare zu „Curly Girl Approved?

    1. Das stimmt schon! 😄 ist nur leider sehr viel Arbeit da muss sich jeder für sich selbst überlegen ob es das wert ist ☺️
      Vielen Dank für deinen Kommentar und liebe Grüße zurück ☺️

      Liken

  1. Heyhey!
    Ich habe es auch endlich geschafft bei dir vorbei zu schauen. 🙂
    Ja, das mit der Natürlichkeit trotz all dieser Produkte und Techniken… Ich glaube, das muss jeder für sich selbst definieren und ist auch von Kopf zu Kopf verschieden. Ich persönlich habe jetzt nicht das Gefühl, meine Haare in eine Form zu drängen, denn alleine mit Kneten, gibt es noch keine Locken. Das hat übrigends meine Kollegin mit stockgeraden Haaren ausprobiert, bei ihr bringt die Methode – abgesehen von einer Extraportion Pflege – überhaupt nichts.
    Allerdings sehe ich diesen Produktehype und diese tausend verschiedenen Techniken, die sich in der Community entwickelt haben auch eher kritisch. Die teuren Produkte sind nicht zwangsläufig besser und nicht jeder Inhaltsstoff ist schlecht, nur weil er nicht Curly Girl Approved ist. Und was die Haare und die Locken mögen, muss nicht unbedingt das beste für die Kopfhaut sein.
    Am besten ist, man probiert aus und findet so heraus, was für den eigenen Kopf funktioniert und was nicht.
    Grüessli, Daniela

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! ☺️ sehr interessant mal andere Meinungen zu hören! Ich bin aber auf jeden Fall auch der Meinung jeder muss das machen was für ihn am besten funktioniert ☺️
      Danke fürs vorbeischauen!! ☺️

      Gefällt 1 Person

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